Wollen wir das nicht alle? Einen gesunden und sicheren Arbeitsplatz, an dem wir uns wohl fühlen? An dem wir uns einbringen können. Einen wertvollen Beitrag leisten können?

Es gibt einen wirksamen Weg. Er klingt vielleicht bürokratisch. Ist aber ein immens wirksames Werkzeug. Die Gefährdungsbeurteilung. 

5 Gründe für eine Gefährdungsbeurteilung

Sie ist gesetzliche Pflicht.

Die Verantwortung und Aufgaben der Praxisleitung zu regelmäßigen Durchführung und Dokumentation von Gefährdungsbeurteilungen sind in den §§ 5 und 6 des Arbeitsschutzgesetzes verankert und in der DGUV Vorschrift 1 bzw. DGUV Regel 100-01 (Grundsätze der Prävention) näher geregelt.

Sie macht Sicherheit planbar.

Die Gefährdungsbeurteilung ist die zentrale Planungsgrundlage für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb.

Sie macht dein Engagement sichtbar.

Die Gefährdungsbeurteilung ist ein wichtiges Führungsinstrument, um den verantwortlichen Umgang mit dem Thema Arbeitsschutz verlässlich zu gestalten und zu dokumentieren. Die Beschäftigten beteiligen sich mit ihrer Expertise für ihren Arbeitsplatz.

Sie lenkt den Fokus auf wichtige Fragen

Die Beschäftigung mit der Gefährdungsbeurteilung lenkt den Fokus auf das, was wirklich wichtig ist: Was kann die Sicherheit und Gesundheit deines Teams bei welchen Tätigkeiten gefährden? Und wie lassen sich Sicherheit und Gesundheit gewährleisten?

Sie zahlt sich aus.

Rechtzeitig erkannte Gefährdungen können mit geeigneten Maßnahmen aus dem Weg geschafft oder minimiert werden und verhindern Störungen im Praxisablauf. Es kommt zu weniger unfall- bzw. krankheitsbedingten Ausfällen. Verbesserte Arbeitsbedingungen fördern die Qualität. Das fördert die Leistungsfähigkeit. Das wiederum führt zu mehr Motivation steigert die Leistungsbereitschaft.

Und unabhängig davon zeigst du jedem einzelnen Mitarbeiter, dass er dir wichtig ist. Ein enorm wichtiger Punkt, wenn es um wertschätzende Führung geht. 

Eine Gefährdungsbeurteilung betrachtet und bewertet vielseitige Gefahren. So zum Beispiel elektrische Gefährdungen oder Gefährdungen durch ungünstige Arbeitsumgebungen wie Lärm und biologische Gefahrstoffe. Sie betrachtet aber auch das Thema Arbeitszeitgestaltung und Gefährdungen durch psychische Belastung. 

Gerade in Zeiten von Corona ist es wichtiger denn je, die psychische Belastung deiner Mitarbeiter auf dem Schirm zu haben. Egal mit wem man sich derzeit unterhält und das Thema Belastung durch Corona anspricht. Ich persönlich habe das Gefühl, dass viele Menschen zunehmend erschöpft und müde sind.

Es fällt zunehmend schwer, Abstand zum Job zu finden. Sich abzugrenzen und eine gesunde Work Life Balance zu finden. Entweder, weil sich das Homeoffice bis 22 Uhr oder später hinzieht  – weil die Kinder dann endlich im Bett sind und man endlich in Ruhe und ungestört arbeiten kann. Vermeintlich in Ruhe. Denn wenn die Augen bis spät in den Abend auf den Bildschirm gerichtet sind und sich kurz vor dem Schlafen gehen noch alles um die Arbeit dreht, kann das auf Dauer nicht gesund sein.

Mir fällt auf, dass es den Mitarbeitern auch in den Praxen zunehmend schwer fällt, sich abzugrenzen. Schwingt doch immer die latente Angst mit, dass man sich ansteckt. Oder trotz aller Vorsicht nicht alle Schutzmaßnahmen optimal umgesetzt werden – und sich in der eigenen Praxis jemand ansteckt. Ausfällt. Möglicherweise sehr lange ausfällt.

Darum ist das Thema psychische Belastung am Arbeitsplatz essentiell für ein zufriedenes, gesundes und leistungsbereites Team.

Psychische Belastung wirkt auf dich noch abstrakt? Wenig greifbar? Im Folgenden zeige ich dir die Handlungsfelder, die zu psychischen Belastungen führen können. Anschließend ist es denkbar einfach,  vorbeugende Maßnahmen einzuleiten. Und die psychische Gesundheit deines Teams zu fördern und aufrecht zu erhalten.

Es geht darum, Belastungen insgesamt zu reduzieren. Sie leisten keine Erste Hilfe bei ganz individuellen Problemen einzelner Kollegen. 

Grundsätzlich hältst du dich auch bei der Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung  an den vorgegebenen Ablauf:

  1.  Gegenstand der Beurteilung festlegen
  2. Belastungen ermitteln
  3. Belastungen beurteilen
  4. Maßnahmen entwickeln und umsetzen
  5. Wirksamkeit kontrollieren
  6. Gefährdungsbeurteilung aktualisieren und fortschreiben
  7. dokumentieren

In den hilfreichen Links findest du die BGW Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastung, auf die ich mich beziehe.

Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung: Handlungsfelder im Überblick

  • Arbeitsinhalt und Arbeitsaufgabe,
  • Arbeitsorganisation,
  • soziale Beziehungen,
  • Arbeitsumgebung
  • Neue Arbeitsformen

Arbeitsinhalt und Arbeitsaufgabe

Vollständigkeit der Aufgabe

Stelle sicher, dass die von dir übertragenen Aufgaben nicht nur einzelne Bereiche, sondern alle Aspekte von der Vorbereitung über die Ausführung bis hin zur Kontrolle beinhalten.

Es muss für jeden Mitarbeiter glasklar sein, welchen Anteil er an der Gesamtleistung der Praxis hat. Welchen Beitrag er zum Gesamtziel leistet.  

Handlungsspielraum

Haben die Mitarbeiter Einfluss auf den Arbeitsinhalt? Gibt es Handlungsspielräume hinsichtlich der Entscheidung für Arbeitsmethoden? Können sie die Reihenfolge der Tätigkeiten eigenverantwortlich wählen? Gibt es Entscheidungsspielraum? Gestaltungsspielraum?

Stelle sicher, dass deine Mitarbeiter ihre Ideen und Erfahrungen einbringen können. Dass sie sich verwirklichen können und spüren, dass sie etwas bewegen können.

Abwechslungsreichtum

Achte darauf, dass die Tätigkeiten abwechslungsreich bleiben. Allerdings darf allzuviel Abwechslung auch nicht überfordern. Ein wirkungsvoller Weg für mehr Abwechslung ist die sogenannte „Job-Rotation“.

Das bedeutet, dass Mitarbeiter regelmäßig an unterschiedlichen Arbeitsplätzen arbeiten. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Dein Mitarbeiter lernt unterschiedliche Bereiche kennen. Er weiß also, auf welche Infos, Formulare, Materialien etc. es an diesem Arbeitsplatz ankommt, sodass störungsfrei gearbeitet werden kann. Das fördert eine ganz neue Sichtweise für Schnittstellen und die Zusammenarbeit wird sich ganz automatisch verbessern. Dein Team wird viel schneller auf Verbesserungspotentiale aufmerksam, weil die Zusammenhänge klarer werden. Weil sie den kompletten Behandlungsablauf, Aufbereitungsprozess oder die Bestellungen im Blick haben. Klingt nach Utopie? Probier es einfach aus.
  • Du bist unabhängiger von einzelnen Mitarbeitern, weil sich jeder Mitarbeiter an jedem Arbeitsplatz auskennt. Vielleicht nicht optimal, aber zumindest so gut, dass der Betrieb auch bei Personalausfall aufrecht erhalten werden kann. Und die Röntgenbilder auch verschickt werden können, wenn Maria schon im Feierabend ist.
  • Die Abwechslung fördert die Motivation und das Engagement.

Information und Informationsangebot

Fühlen sich deine Mitarbeiter ausreichend und rechtzeitig informiert? Wie informierst du dein Team? Jeden morgen in einer ruhigen Minute zum Tagesbriefing? Oder zwischen Tür und Angel einzelne Mitarbeiter? Geplant in Teambesprechungen? Holschuld? Bringschuld? Reizüberflutung und fehlender Überblick durch Postits am schwarzen Brett?

Eine strukturierte Informationsweitergabe an das gesamte Team ist Gold wert und fördert Fairness und Vertrauen. Etabliere eine Holschuld. Das heißt, jeder Mitarbeiter muss wissen, wo er neue Informationen nachlesen kann, falls er die Teambesprechung verpasst hat. Du willst darauf achten, dass sich niemand benachteiligt fühlt. Achte auf eine transparente, sachliche Infoweitergabe. Denke daran, dass du verpflichtet bist, neue Geräte mit Protokoll einzuweisen. Das hat zum einen mit Patienten – und Mitarbeitersicherheit zu tun. Zum anderen mit deiner Haftung, falls es zum Unfall kommt.

Verantwortung

Sind die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten klar geregelt? Oder kommt es durch unklare Strukturen und Prozesse häufiger zu Missverständnissen oder Konflikten?

Dann kann es schon mal vorkommen, dass das die Papierhandtücher im Patienten-WC ausgehen und erst bestellt werden müssen. Oder die Laborarbeit nicht rechtzeitig geliefert wurde und der Patient mit neuem Termin unzufrieden die Praxis verlässt.

Besser wenn ganz klar ist, wer sich um was kümmert.

Qualifikation

Passen die Tätigkeiten zur Qualifikation deiner Mitarbeiter? Sind sie ausreichend qualifiziert? Sind sie angemessen eingewiesen und eingearbeitet? Oder sind sie für ihre Tätigkeiten überqualifiziert oder fühlen sich häufig unterfordert?

Sprich mit deinen Mitarbeitern und überlegt gemeinsam, ob sie weitere Unterstützung benötigen und wie du ihnen dabei helfen könntest. Kann ein Kollege unterstützen? Braucht es eine Fortbildung?

Emotionale Inanspruchnahme

Ist dein Team mit Emotionen wie Wut, Trauer oder Angst konfrontiert? Müssen Mitarbeiter ständig auf die Bedürfnisse anderer eingehen? Ist dein Team mit Belästigungen, Übergriffen oder einem erhöhten Risiko durch Aggression oder Gewalt ausgesetzt?

Arbeitsorganisation

Arbeitszeit

Reicht die Zeit zwischen Arbeitseinsätzen für Erholung aus? Können die Mitarbeiter ihre Pausen tatsächlich wahrnehmen? Können Überstunden kurzfristig wieder abgebaut werden? Gibt es eine definierte Obergrenze für Überstunden? Wie verlässlich sind freie Zeiten? Welche Ausgleichsregelungen gibt es, wenn die Ruhezeiten doch unterbrochen werden? Werden bei der Dienstplanung individuelle Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt? 

Arbeitsablauf

Sind Arbeitstempo und -inntensität häufig hoch, herrschen Zeit- und Leistungsdruck? Fallen viele Aufgaben gleichzeitig an? Kommt es häufig zu Störungen und Unterbrechungen? Ist der Personalschlüssel angemessen? Ist die Arbeitsmenge realistisch geplant? Welchen Einfluss haben Überlastungsanzeigen der Mitarbeiter? Wird nach Lösungen gesucht?

Kommunikation und Kooperation

Führt ihr in der Praxis regelmäßig Teambesprechungen durch? Haben sich Kommunikationsregeln und Strukturen etabliert (z.B. Tagesbriefing, große und kleine Teambesprechungen? Sorgst du hier für das leibliche Wohl? Sind die Aufgaben – und Verantwortungsbereiche definiert und den Beteiligten bekannt?

Soziale Beziehungen

Kolleginnen und Kollegen

Wie sind die Beziehungen zwischen den Mitarbeitern? Wie ist der Zusammenhalt und die Unterstützung im Team? Wird die gegenseitige Wertschätzung im Team gefördert? Wechselt die Zusammenarbeit im Team häufig? Wie hoch ist die Fluktuation? Gibt es Rollenkonflikte oder persönliche Konflikte? Wie steht es um die Umgangsformen? Sind Konflikte oder Mobbing ein Thema? Und falls ja, können Teams auf professionelle Unterstützung in Form von Supervision oder Coaching zurückgreifen?

Führungskräfte

Hier steht dein Führungsstil im Vordergrund. Wie sind die Beziehungen zwischen dir und deinem Team? Gibt es angemessene Rückmeldung zu Leistungen und Ergebnissen?

Wie ist der Umgang mit Fehlern und Konflikten? Förderst du die gegenseitige Wertschätzung zwischen dir und deinem Team?

Arbeitsumgebung

Physische Faktoren

Sind die Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet? Müssen die Mitarbeiter schwere körperliche Arbeit leisten?

Physikalische und chemische Faktoren

Erzeugt eine ständige Geräuschkulisse Stress? Stören Raumklima, Gerüche, Lichtverhältnisse oder Ähnliches das Wohlbefinden?

Arbeitsmittel

Stehen die für eine Aufgabe benötigten Arbeitsmittel in der erforderlichen Qualität und Quantität zur Verfügung? Und ist die Bedienbarkeit an die Erfordernisse der Anwender angepasst?

Eine Gefährdungsbeurteilung ist mehr als vermeintliche Bürokratie

Kaum ein anderes Führungskräfte-Tool erlaubt dir, soviel für die Gesundheit und das Wohlbefinden deiner Mitarbeiter – und damit auch für die Zufriedenheit und Empfehlungsrate deiner Patienten – zu tun. Auch wenn dich der vermeintliche Aufwand einer Gefährdungsbeurteilung im Moment noch abschreckt. 

Gehe einfach den ersten Babyschritt. Und dann den nächsten. Und analysiere ganz ehrlich und gemeinsam mit deinem Team die Belastungen und Gefährdungen, die in deiner Praxis objektiv und subjektiv wahrgenommen werden. Die BGW stellt tolle Vorlagen zur Verfügung, sodass du hier einen schnellen und einfachen Einstieg findest.

Es geht nicht darum, bürokratische Vorgaben abzuarbeiten. Sondern es geht darum, sich ganz konkret und ehrlich mit den Gefahren auseinander zu setzen, denen deine Mitarbeiter TAGTÄGLICH ausgesetzt sind. 

Eine Gefährdungsbeurteilung ist gesetzliche Pflicht. Sie macht Sicherheit planbar. Sie macht dein Engagement sichtbar. Sie lenkt den Fokus auf die wirklich wichtigen Fragen. Sie zahlt sich aus. Und unabhängig davon zeigst du jedem einzelnen Mitarbeiter, dass er dir wichtig ist. 

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Die Autorin und Auditorin steht für Qualitätsmanagement mit Leichtigkeit und Weitblick. QM von Anfang an nützlich und praktisch sein. Es soll dabei helfen, den Praxisalltag zu vereinfachen, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu verbessern.